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Es gibt Momente mit meinem Hund, in denen ich ganz genau zu wissen glaube, wo das Problem liegt.

Bei ihm natürlich.

Er ist unruhig, zieht an der Leine oder reagiert auf einen anderen Hund. Früher habe ich in solchen Situationen vor allem sein Verhalten betrachtet. Heute stelle ich mir häufiger eine andere Frage:

Was passiert gerade eigentlich in mir?

Nicht jedes Verhalten meines Hundes hat mit mir zu tun. Hunde haben ihre eigene Persönlichkeit, Erfahrungen und Emotionen. Trotzdem lohnt es sich, ihr Verhalten manchmal als Spiegel zu betrachten. Nicht als Bewertung, sondern als Einladung, sich selbst wahrzunehmen.

Selbst. Bewusst. Sein.

Für mich bekommt das Wort Selbstbewusstsein eine andere Bedeutung, wenn ich es auseinandernehme:

Selbst. Bewusst. Sein.

Wie geht es mir gerade wirklich? Bin ich ruhig oder versuche ich nur, ruhig zu wirken? Bin ich klar in dem, was ich möchte? Stimmen meine Gedanken, mein Körper und mein Handeln überein?

Unser Kopf kann uns ziemlich überzeugend erzählen, dass alles in Ordnung ist. Unser Körper erzählt manchmal etwas anderes.

Und Hunde nehmen genau diese feinen Veränderungen wahr. Körperspannung, Bewegung, Atmung, Stimme, Aufmerksamkeit und sogar körperliche Veränderungen über ihren Geruchssinn.

Auf einer tieferen Ebene gesprochen würde ich sagen: Sie nehmen unsere Energie wahr.

Für mich darf beides nebeneinanderstehen.

„Es ist doch gar nichts.“

Beim Spaziergang kommt uns ein anderer Hund entgegen.

Eigentlich kein Problem.

Trotzdem denke ich: „Hoffentlich klappt das jetzt.“

Fast unbemerkt nehme ich die Leine etwas kürzer. Meine Schultern werden fester, mein Blick richtet sich auf den anderen Hund.

Mein Hund reagiert unmittelbar. Er wird aufmerksamer und seine Körperspannung steigt.

Früher hätte ich mich gefragt: „Warum reagierst du denn jetzt schon wieder?“

Heute frage ich mich:

Was hat mein Hund wahrgenommen, bevor ich selbst meine Anspannung bemerkt habe?

Vielleicht ist seine Reaktion nicht nur unerwünschtes Verhalten. Vielleicht macht sie auch etwas sichtbar, das längst in mir begonnen hat.

Das bedeutet nicht, dass ich schuld an seinem Verhalten bin. Wir beeinflussen uns gegenseitig. Genau darin liegt für mich der Wert des Spiegelns.

Wenn der Hund plötzlich nicht mehr „funktioniert“

Eine andere Alltagssituation: Ich habe wenig Zeit und möchte nur schnell eine Runde laufen.

Mein Hund hat offensichtlich einen anderen Plan.

Er schnüffelt, bleibt stehen, zieht in eine andere Richtung.

Ich werde ungeduldig.

Natürlich kann ich jetzt an der Leinenführigkeit arbeiten. Ich kann aber auch kurz bei mir selbst hinschauen:

Warum stört mich sein Verhalten gerade so sehr?

Vielleicht geht es gar nicht nur um die Leine. Vielleicht bin ich bereits angespannt. Vielleicht möchte ich Kontrolle. Vielleicht erwarte ich gerade, dass mein Hund funktioniert, weil mein eigener Kopf schon drei Schritte weiter ist.

Der Hund hat diese Gefühle nicht verursacht.

Aber die Situation mit ihm hat sie sichtbar gemacht.

Und genau das verstehe ich unter Spiegeln.

Der Hund ist kein spirituelles Diagnosegerät

Mir ist diese Unterscheidung wichtig.

Ein ängstlicher Hund bedeutet nicht automatisch, dass sein Mensch Angst hat. Ein nervöser Hund beweist nicht, dass sein Mensch energetisch unausgeglichen ist.

So einfach funktionieren weder Hunde noch Menschen.

Ich sehe den Hund deshalb nicht als Beweis für meinen inneren Zustand. Ich nehme sein Verhalten zum Anlass, mich selbst zu beobachten.

Was fühle ich gerade?

Was macht mein Körper?

Welche Erwartung habe ich?

Bin ich wirklich klar?

Oder sage ich mit meiner Stimme „Alles gut“, während mein Körper längst etwas anderes erzählt?

Gerade diese Widersprüche nehmen Hunde oft sehr fein wahr.

Vielleicht beginnt Veränderung genau hier

Heute frage ich deshalb nicht mehr ausschließlich:

„Wie bekomme ich meinen Hund dazu, sich anders zu verhalten?“

Ich frage auch:

„Was verändert sich, wenn ich zuerst bei mir selbst hinschaue?“

Manchmal reicht es, bewusst auszuatmen, Spannung loszulassen, langsamer zu werden und klar zu entscheiden, was ich eigentlich möchte.

Und manchmal verändert sich daraufhin auch mein Hund.

Nicht immer. Denn mein Hund ist ein eigenständiges Wesen und kein Abbild von mir.

Aber selbst wenn sein Verhalten gleich bleibt, hat sich etwas verändert:

Ich habe mich selbst wahrgenommen.

Vielleicht ist genau das Selbst-Bewusst-Sein.

Nicht immer ruhig und souverän zu sein. Sondern zu erkennen, wenn ich es nicht bin.

Deshalb stelle dir beim nächsten schwierigen Moment mit deinem Hund einmal nicht sofort die Frage:

„Warum macht mein Hund das?“

Sondern zuerst:

„Was passiert gerade in mir?“

Vielleicht liegt dort nicht die Ursache für sein Verhalten.

Aber möglicherweise beginnt dort ein tieferes Verständnis für euch beide.